Das Pariser Klimaschutzabkommen zielt darauf ab, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, idealerweise 1,5 °C, zu begrenzen. Kernstück sind die national selbst festgelegten Beiträge (NDCs), die alle fünf Jahre nachgebessert werden sollen – ohne verbindliche Sanktionen bei Nichteinhaltung.
Doch genau hier scheitert das Abkommen an der Logik der Spieltheorie. Im internationalen Klimaschutz agieren Staaten wie rationale Spieler in einem wiederholten „Gefangenendilemma“: Jeder hätte kollektiv den größten Nutzen, wenn alle kooperieren und Emissionen drastisch senken. Individuell lohnt sich jedoch kurzfristig das Abweichen – also weniger Klimaschutz bei weiterem Wirtschaftswachstum – solange andere zahlen.
Das resultierende Nash-Gleichgewicht ist suboptimal: Kein Staat verbessert seine Lage, wenn er einseitig mehr tut, solange andere es nicht ebenfalls tun. Folglich bleiben viele NDCs hinter dem 1,5 °C-Pfad zurück. Sanktionsfreie Selbstverpflichtungen erzeugen keinen Anreiz, vom Gleichgewicht abzuweichen.
Die Strategie „Tit for Tat“ (Wie du mir, so ich dir) könnte Kooperation stabilisieren, indem sie Belohnung und Vergeltung koppelt: Wer kooperiert, erfährt Gegenkooperation; wer ausbricht, wird bestraft. Das Pariser Abkommen bietet jedoch keine glaubwürdigen Vergeltungsmechanismen – weder handelspolitisch noch finanziell. Ohne solche „Zähne“ bleibt Tit for Tat wirkungslos.
Was könnte der Welt nun die Lösung des Dilemmas näherbringen?
Jobst Heitzig am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), untersucht explizit, wie Zusammenarbeit unter solch ungleichen Voraussetzungen gelingen kann. Heitzig hat Mechanismen entwickelt, die öffentliche Güter – wie Klimaschutz – durch einseitige, aber wechselseitig bedingte Verpflichtungen bereitstellen.
In seinem Ansatz wählen Spieler simultan konditionale Commitment-Funktionen: Jeder legt fest, wie viel er beiträgt, abhängig vom Beitrag der anderen. Heitzig zeigt, dass die starken Nash-Gleichgewichte dieses Mechanismus exakt dem „Core“ des zugrundeliegenden kooperativen Spiels entsprechen – also jenen effizienten, stabilen Verteilungen, die keine Teilgruppe durch Abspaltung verbessern kann.
Praktisch bedeutet das: Statt auf unverbindliche NDCs zu setzen, müssten Staaten ihre Beiträge an die anderer koppeln – mit klaren Regeln, wer wann wie viel leistet. Solche Mechanismen könnten Tit for Tat operationalisieren und das ineffiziente Nash-Gleichgewicht des Pariser Abkommens überwinden.
Fazit: Solange das Abkommen kein durchsetzbares Regelwerk mit klaren Anreizen und Sanktionen etabliert, bleibt es im Nash-Gleichgewicht stecken – stabil, aber ineffektiv.
Die Forschung von Heitzig am PIK zeigt jedoch Wege auf, wie bedingte Verpflichtungen und faire Verteilungsregeln Kooperation auch ohne zentrale Autorität ermöglichen könnten.