Das Zitat „Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“ wird dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. zugeschrieben (das Zitat ist historisch aber nicht belegt).
Wilhelm II. soll diese Fehleinschätzung um 1904 nach einer Testfahrt getroffen haben. Dabei war der Kaiser keineswegs ein Technikfeind, sondern im Gegenteil extrem technikbegeistert. Er übernahm sogar die Schirmherrschaft für den Deutschen Automobilclub (heute AvD) und besaß später selbst zahlreiche Automobile.
Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint, lässt Weitblick erkennen. Weitblick dahingehend, dass das Automobil zum Zeitpunkt der Testfahrt noch nicht in seiner möglichen und endgültigen Qualität angekommen war. Noch Entwicklung brauchte.
Das Scientific Management nach Frederic W. Taylor änderte in Folge dann alles: Henry Ford übernahm dessen Grundprinzipien in einer kostengünstigen, standardisiertenProduktionsmethodik. In der Hochzeit der legendären Model-T- Produktion rollten bei Ford 9000 Exemplare pro Tag von den Bändern. Von 1908 bis 1927 baute Ford 15 Millionen der sogenannten Tin Lizzie. Das T- Modell war ein simples Auto, ohne den Wohnzimmerkomfort von heute, das es nur in der Farbe Schwarz gab. Dadurch konnte der Preis so niedrig angesetzt werden, dass Millionen Amerikaner sich dieses Auto leisten konnten.
Ein Lehrstück, dass die Lösung oft aus Bereichen kommt, wo man sie weder gesucht noch vermutet hätte..
Was bedeutet das übertragen auf die Jetzt- Zeit?
Ja, Elektromotoren sind simpler aufgebaut – weniger Teile, weniger Verschleiß. Ein deutscher Verbrennungsmotor besteht aus rund 2.000 präzise gefertigten Teilen – ein mechanisches Meisterwerk. Ein E-Motor? Kaum 200 Komponenten. Das Ergebnis: Kostenvorteile. Weniger Wartungsaufwand und Verschleißanfälligkeit. Günstigere Verkaufspreise.
Kurz: technische Disruption! Der Übergang vom Pferd zur „Blechliesl“.
Die Folgen für das „Autoland Deutschland“ zeigen sich schon heute: Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr, weniger Innovation, weniger industrielle Souveränität. Binnen eines Jahres verlor die Branche 42.300 Jobs – der niedrigste Stand seit über 20 Jahren. VW plant bis zu 100.000 Stellenstreichungen, BMW 8.000, Mercedes Tausende weitere.
Machen wir uns ehrlich: Das E- Auto wird aus heutiger Sicht unweigerlich in Zukunft den Siegeszug antreten. Interessant ist die Betrachtung der Frage, wie wir diesen Transferprozess gestalten. Technisch, volkswirtschaftlich, politisch.
Ein blindes Folgen des Öko-Diktats wie bislang praktiziert statt einer technologieoffener Strategie scheint wenig erfolgreich. Während Deutschland den Verbrenner abschafft, erobern chinesische Marken den Markt. BYD allein steigerte seine Zulassungen in Deutschland um über 1.000%, der Marktanteil chinesischer E-Autos liegt bereits bei über 8%. Deutsche Hersteller sind im eigenen Heimatmarkt unter Druck – BYD überholt im Plug-in-Segment sogar VW, BMW und Mercedes.
Dabei lässt laut „auto motor und sport“ ein Euro- 6d- TEMP-Diesel sauberere Luft aus dem Auspuff entweichen als die in der Stuttgarter Innenstadt angesaugte. Partikelfilter und SCR-Katalysatoren reduzieren Emissionen auf ein Minimum.
Bedenkenswert ist, dass Deutschland immer noch rund 40% seines Stroms aus Kohle und Gas bezieht – im Winter sogar mehr. Wer sein E-Auto mit diesem Strom lädt, fährt keineswegs emissionsfrei.
Der Staat diktiert die Technologie, statt Klimaziele technologieoffen zu erreichen.
Umgedreht wird ein Schuh draus: Der Staat sollte Klimaziele setzen, aber keine Technologien vorschreiben. Wasserstoff, E-Fuels, Hybrid und Batterieelektrik – alle Pfade verdienen Chancen. Eine einseitige Fokussierung auf E-Autos ignoriert Millionen Bestandsfahrzeuge und alternative Lösungen für Luftfahrt, Schifffahrt und Spezialanwendungen.
Lassen wir der Entwicklung ihre Zeit: E- Auto- Bestände, die nur mit staatlicher Förderung in den Markt gedrückt werden, brechen bei Wegfall der Förderung weg. Der Verbraucher soll frei und ohne staatliche Subventionen (bis zu 39 Milliarden Euro im Jahre 2030, finanziert vom Steuerzahler) gemäß seinen individuellen Bedürfnissen entscheiden, welches Konzept ihm zum Kaufzeitpunkt mehr zusagt. Der Markt entscheidet, welche Technologien bestehen. Alles andere ist Planwirtschaft im grünen Gewand. Was dauerhaft Technologie- und Preiswettbewerb eher hindert als fördert.
Allein, für denjenigen, der misstraut, ein Fun Fact: Toyota, Weltmarktführer bei Hybridfahrzeugen, finanzierte seine Auto-Sparte einst mit dem Patentverkauf an Webstühlen an die Briten. Aus Sicht der Letztgenannten ein guter Deal. Soviel zum Glauben an alte Technologien. Und: Ohne Toyotas Verbrenner-Ära kein Prius…