Zum Inhalt springen

„Lastenrad oder SUV?“ – ein Lob auf das Gehen!

Das Lastenrad ist an sich keine schlechte Erfindung – so lassen sich größere Dinge, die nicht auf den Gepäckträger eines normalen Rades passen, mühelos transportieren. Einkäufe oder kleine Möbelstücke. In asiatischen Ländern werden damit Reissäcke transportiert– bei uns sind es Kinder. 
Mitarbeiter der Unfallforscher der Versicherer halten den Lastenrad-Transport von Kindern für riskant. Der Crash mit einem Auto hat fatale Folgen. Und die Experten weisen darauf hin, dass die Unfallrate bei Lastenrädern stetig und stark ansteigt. Innerhalb weniger Jahre um knapp die Hälfte. 

Darüber hinaus: ganz billig sind diese Dinger nicht. Ein gutes Lastenrad kostet zwischen 3500 und 7000 Euro. Es gibt sogar Premium-Modelle für mehr als 10.000 Euro. 
Hinten auf dem Sattel sitzt eine bestimmte Klientel. Oft gelbwestentragende, vorzeitig ergraute Yogaeltern, im Bewusstsein moralischer Überlegenheit angegrünt. Mit  Umweltbewusstsein. 
Vorn im mobilen Wäschekorb Konstantin und Ophelia, ersatzweise der gleichermaßen verzogene Quotenhund, die in sackschweren, elektrifizierten hässlichen Stahltretpanzern zur Schule, zum Ballettunterricht oder Hundepsychologen transportiert werden. 

Ästhetisch ist vieles von diesem „familiennahen“ Low Tech eine Zumutung für ein High- Tech- Land. Der Kinderhandkarren wirkt oft wie ein umgebautes Baumarktgestell. Rahmenbrüche wie bei einem holländischen Hersteller inclusive.
Funktional mag das meist sein – schön ist es selten. Während Carbon-Rennräder mit schlanken Linien, integrierten Kabeln und aerodynamischer Eleganz zeigen, wie schön Fahrradtechnik sein kann, dominieren auf dem Schulweg oft klobige Boxen, Plastikverkleidungen und improvisierte Regenhauben. 

Also SUV? Also Verbrennungsmotor, doppelter Parkplatzverbrauch und Abgase? Denn während das Lastenrad im Zweifel vor allem seine eigenen Insassen gefährdet, macht der SUV andere gefährlich. Seine hohe Front, seine Masse und seine Beschleunigung erhöhen das Verletzungsrisiko für Fußgänger und Radfahrer erheblich. Vor Schulen, wo Kinder unvorhersehbar laufen, abbiegen und spielen, ist das keine Randnotiz, sondern der Kern des Problems. Der SUV schützt die eigenen Insassen – und verwandelt die Umgebung in eine Risikozone für alle anderen.

Das eigentliche Paradoxon lautet also: Das Lastenrad wird als „Wahnsinn“ gebrandmarkt, während das mehrere Tonnen schwere Privatauto mit hoher Sitzposition vor der Grundschule als Normalität durchgeht. Als Ausdruck verantwortlicher Familieninfrastruktur.

Der Ausweg? Ganz einfach: Sie lautet: Lasst die Kinder. Alleine. Zu Fuß. Zur Schule gehen. Oder notfalls halt mit dem Bus ins entferntere Privatgymnasium. So entsteht wieder Raum: Zum Kindsein. Zum Zusammensein mit Klassenkameraden. Zum Lästern über den lowperformenden Mathelehrer oder zickige Mitschüler. Zum Verabreden am Nachmittag. Zum Selbstständigwerden. FUSS e.V. statt ADFC oder ADAC.

Zu unsicher? Zu gefährlich? Zu wenig Helikopter?
Dann lasst uns doch offenen Auges die von uns selbst in Deutschland politisch und gesellschaftlich geschaffenen und als dieser Idee gegenüber problematisch erlebten Lebenswelten analysieren und an deren Pünktlichkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit gemeinsam arbeiten, anstatt private parallel Lastenfahrrad- oder SUV- Strukturen inklusive Zeitstress für die Eltern aufrechtzuerhalten. Entschlossen voran gehen (!) – die Kinder und die Umwelt danken es, garantiert.